Künstler*in: Elna Brüx

Lebensdaten: 1923–2015

Geburtstag: *21.02.1923, Hamburg-Wandsbek, Deutschland

Todestag: †11.01.2015, Deutschland

Nationalität: Deutsche

Geschlecht: Weiblich

Funktion: Bedeutende Klever Bildhauerin des 20. Jahrhunderts

Fritz Getlinger, Elna Brüx vor der Büste von sich selbst von ihrem Ehemann Walther Brüx, um 1960 (?), Museum Kurhaus Kleve – Schenkung aus dem Nachlass des Künstlers

Biographie ↓

Elna Brüx gehört zu einer Riege von Künstlerinnen aus Kleve des 20. Jahrhunderts, die heute – völlig zu Unrecht – in Vergessenheit geraten sind und deren Schaffen unbedingt neu entdeckt werden müsste. Als Elna Wick wurde sie 1923 in Hamburg-Wandsbek geboren, als Tochter des Kunstmalers Robert Wick, der eher lokale Berühmtheit erlangte und heute ebenfalls vergessen ist. Zu gewisser Prominenz gelangte Elna Brüx’ älterer Bruder, Armin Wick (1914–2008), der vor allem als Schauspieler und Regisseur Anerkennung erlangte und ein schillerndes Leben führte.

Elna Brüx, die schon früh ein großes Talent als Bildhauerin zeigte, teilte jedoch das Schicksal zahlreicher guter Künstlerinnen ihrer Generation: Sie heiratete früh, zog nach Kleve an den Niederrhein und gebar fünf Kinder (vier Söhne und eine Tochter), wonach sie zeitlebens zwischen ihrer Mutterrolle und ihrem Künstlerinnendasein changierte. Als Charakter war sie weder dominant noch zurückhaltend, aber eine starke Persönlichkeit (O-Ton von Isa Zins, die eine gute Freundin ihrer Tochter war), die klar, fordernd und – wenn es die Situation verlangte – auch schwierig sein konnte. Wenn sie über Kunst sprach, so Isa Zins, war sie niemals belehrend, sondern stets zutiefst freundschaftlich und wohlwollend vermittelnd. Ihrer Position – in einem nicht einfachen Frauenleben zu stecken, in dem sie keine Freiheit für ihre eigene Kunst besaß – war sie sich jedoch zeitlebens bewusst.

Verheiratet war Elna Brüx mit Walther Brüx (1917–2006), der der unangefochtene Künstler in der Familie war und heute vor allem als Bildhauer in Erinnerung geblieben ist. Er war der Sohn des klassizistischen Bildhauers Gerd Brüx (1875–1944), in dessen Werkstatt er bereits als Kind spielte und überwiegend aufwuchs. Walther Brüx war u.a. einer der Mitbegründer des „Niederrheinischen Künstlerbundes“, der sich auch politisch engagierte und als Kunstlehrer, u.a. am Collegium Augustinianum Gaesdonck und am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, tätig war. Mit seiner Frau Elna bewegte er sich in der niederrheinischen Künstlerszene rund um Joseph Beuys und Ilse und Hanns Lamers, die durch Photographien von Willy Maywald, Fritz Getlinger und Hildegard Weber begleitet wurde.

Während Walther Brüx formal klare, figurative Bildwerke schuf (u.a. seine Porträtköpfe von Beuys und Lamers), besaß Elna Brüx stets eine stilistisch eigenwilligere Formensprache. Ihre Werke sind eigentümlicher und weisen eine Nähe zu ursprünglicher Kunst (z.B. afrikanischen Skulpturen) auf. Ihre Werke geben nicht das Gesehene wider, sondern eine vereinfachte, geradezu zerlegte Wirklichkeit, die auf jedwede Details verzichtet. Insofern ist ihre hier besprochene Arbeit „Tod und Mädchen“ als Frühwerk zu verstehen, in der noch die Figuration überwiegt, aber erste Ansätze zu einer geometrischen Abstraktion erkennbar sind. Künstlerisch gesehen war Elna Brüx eine Perfektionistin, die auch oft Selbstzweifel plagten und die sogar eigene Werke, die nicht ihren Ansprüchen entsprachen, zerstören konnte.

Zum Ende ihres Lebens, als ihre Kinder erwachsen und außer Haus waren, lebte Elna Brüx ein zurückgezogenes, aber in sich zufriedenes Künstlerinnen-Dasein (so ihr Sohn, Manuel Brüx). Ab einem gewissen Zeitpunkt waren Verkäufe für sie nicht mehr von Belang. Nachdem sie, überwiegend erblindet und beginnend dement, bei ihren Kindern lebte, verstarb sie schließlich in einem Altersheim am Niederrhein. Auf ihren Wunsch hin lies sie sich anonym in Wesel bestatten. Es gilt, ihr großartiges bildhauerisches Œuvre unbedingt wiederzuentdecken und für eine neue Generation zu erhalten.

(Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Valentina Vlašić, Kleve)