Restaurierung eines kostbaren Tafelbildes aus dem Jahr 1488

In der Sammlung des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. im Museum Kurhaus Kleve befindet sich eine bislang selten gezeigte Kostbarkeit, die sich die letzten Jahre in der Restaurierung befunden hat und die nun zeitnah im Katharina von Kleve-Saal des Museum Kurhaus Kleve ausgestellt werden soll: ein Tafelbild des Grafen Adolf von Kleve, Mark und Ravenstein (1425–1492), das den Adeligen im Brustbild in leichter Seitenansicht zeigt.

Es handelt sich um ein äußerst kleinformatiges, intimes Porträt. Der Graf hat seine Hände zum Gebet gefaltet und blickt an den Betrachter*innen vorbei nach links aus dem Bild heraus. Das Täfelchen war höchstwahrscheinlich der rechte Teil eines Diptychons – vermutlich mit einer Darstellung der Muttergottes auf der gegenüberliegenden Seite, wie Guido de Werd in seinem Aufsatz über das Tafelbild im Klever Heimatkalender auf das Jahr 1996 vermutet.

Der Adelige ist in ein schwarzes Wams mit rotem Kragen gekleidet. Um den Hals trägt er die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies. Sein Haupt bedeckt eine schlichte schwarze Kappe mit einer Agraffe in Form des Buchstabens „A“ und einem Perlenanhänger daran. Seine vornehme Erscheinung wird unterstrichen durch einen ockerfarbenen Brokatmantel mit rotem Futter und einem pelzbesetzten Kragen. Auf der Rückseite befindet sich in goldenen Majuskeln auf schwarzem Grund eine Schrift, die Guido de Werd folgendermaßen übersetzt hat: „Im Jahre 1488 / da wurde dieses gemacht. Da war ich / Adolf von Kleve und van der Mark, Herr von Ravenstein alt 64 / Jahre am Tag von S. Petrus und S. Paulus“.

Das Tafelbild wurde nun durch die Diplomrestauratorin Marita Schlüter aus Everswinkel fachmännisch restauriert. In ihrem ausführichen Restaurierungsbericht erkannte sie u.a., dass die relativ dünne Eichenholztafel aus zwei etwa gleich großen Stücken mit senkrechtem Faserverlauf zusammengeleimt ist. Ferner ist in ihrem Bericht nachzulesen: Beide Bretter zeigen im Anschnitt fast stehende Jahrringe. Dieser Zuschnitt ist dafür verantwortlich, dass sie sich kaum verwölbt hat. Die Fuge ist bereits einmal neu verleimt worden, wie ein leichter Niveauunterschied auf der Bildseite und Leimreste auf der Rückseite beweisen.

Die Tafel ist nach dem Prinzip der sog. „Bildrahmenplatte“ in seinem Zierrahmen grundiert und bemalt worden, wie der umlaufende holzsichtige Rand auf beiden Seiten beweist. Daher handelt es sich auch um das Originalformat – lediglich ein Holzausbruch von 40 x 3 mm ist in der oberen linken Ecke vorhanden.

Während die elfenbeinfarbige Grundierung auf der Vorderseite sorgsam geschliffen wurde, fehlt sie auf der Rückseite. Hier sind im oberen Viertel sogar noch Beilspuren vom Spalten des Brettes zu sehen und die schwarze Farbe liegt direkt auf dem Holz.

Die Malschicht des Gemäldes besteht aus Temperafarben mit Lasuren von roten Farblacken. Der Hintergrund des Gemäldes bestand ursprünglich aus einem leuchtenden Azuritblau. Dieses Pigment entfaltet seine Leuchtkraft am besten pastos aufgetragen in wässrigen Bindemitteln und wirkt in öligen und harzigen Bindemitteln eher grünlich. Heute sind die originalen Reste des Azurits durch später aufgetragene Firnisse und Übermalungen bereits vergrünt und daher dunkelgrünblau. Die Malschicht ist wie die Grundierung altersgerecht feinteilig craqueliert.

Im Vorzustand war das Gemälde großflächig überarbeitet. Vermutlich bereits sehr früh hat man Teile der Darstellung entfernt bzw. übermalt. So wurden Buchstaben mit seinem Titel und Alter am oberen Rand mit dem Azurit darunter regelrecht herausgekratzt – ebenso wie sein Wappen links neben dem Kopf. Rechts neben dem Kopf befand sich vielleicht ein weiteres – vielleicht kreisförmiges – Abzeichen oder Emblem. Außerdem wurde das leuchtend rote Futter seines Mantels dunkelgrün übermalt. Die übrige Malschicht zeigte leichte vertikale Schleifspuren. Alle Schadstellen nach der ersten Maßnahme noch mehrfach retuschiert worden. Insgesamt wirkte die die Malerei durch die tiefgreifenden und vielen Überarbeitungen wenig authentisch.

Der Zierrahmen ist eine Hinzufügung des 20. Jahrhunderts. Auf einen Korpus aus Nadelholz sind zwei umlaufende Profile aus Eichenholz aufgenagelt, die ursprünglich grundiert und schwarz gefasst waren. Zwischen den Profilen ist ein Streifen in dunklem Wurzelholz-Furnier auf den Korpus geleimt. Das Furnier war auf dem nach außen ansteigenden Rahmen z.T. geknickt und beschädigt. Die Brüche waren mit dunkler Farbe grob retuschiert. Die Eichholzleisten waren grob bis auf das Holz freigelegt. Auch der Rahmen ist neu verleimt worden. Tackerklammern auf der Rückseite datieren diese Maßnahme in das 20. Jahrhundert. In den Fugen steckte brauner Wachskitt.

Das Gemälde befand sich bei der Erwerbung durch den Freundeskreis der Klever Museen 1995 in keinem ausstellungsfähigen Zustand. Nach Absprache mit dem Eigentümer sollte die originale Farbigkeit und Formgebung – wenn möglich – freigelegt werden. Nach umfangreichen Voruntersuchungen im Streiflicht, unter UV- und Infrarotstrahlung stand fest, dass zwar nur noch minimale Farbreste des Schriftzuges vorhanden waren – allerdings war durch das Abkratzen der pastosen Azuritschicht eine Art „Negativ-Abdruck“ der Buchstaben erhalten. Die Schrift war somit rekonstruierbar. Zunächst aber wurde der Firnis von der Rückseite abgenommen und die dortige Malschicht an den Fehlstellenrändern mit Hausenblasenleim gefestigt.

Vorderseitig ließen sich Firnisse und Retuschen in mehreren Arbeitsgängen mit verschiedenen Lösemitteln auf Wattestäbchen sowie als Kompresse und mit Hilfe des Skalpells unter der Kopflupe abnehmen. Auch alle späteren Kittungen wurden mechanisch herausgenommen und die Fehlstellenränder ebenfalls gefestigt. 

Anschließend erhielten alle Fehlstellen in der Grundierung neue Kittungen mit einem leicht abgetönten Leimkreidekitt.
Im Zuge der Recherchen zur einer Rekonstruktion der verlorenen Teile fand der Nijmeger Kunsthistoriker Gerard Lemmens (1938–2021) 2011 eine Schwarzweißphotographie der Tafel, datiert 1935, im Archiv von Max. J. Friedländer. Gemeinsam mit einer farbigen Abbildung des Wappens Adolf von Kleves in der Brügger Liebfrauenkirche von 1468 dienten diese Vorlagen als Grundlage für die Retusche der Beschriftung und des Wappens.

Der Zierrahmen wurde gesäubert, seine Falzen ausgeschliffen und mit Filz ausgepolstert. Vorderseitig entfernt wurden die Reste der schwarzen Fassung in den Tiefen des Eichenholzes und die Retuschen auf dem Wurzelfurnier. Fehlstellen wurden neu verkittet und ausretuschiert. Abschließend wurde das Gemälde mit einem Rückseitenschutz aus Museumskarton und neuen Federklammern reversibel wieder eingerahmt.