ENDLICH MIT GESICHT + PROFIL: Porträts der bedeutenden Jan Baegert-Forscherin Gundula Tschira-van Oyen

Ohne sie hätte die Altmeister-Ausstellung „Schönheit & Verzückung. Jan Baegert und die Malerei der Mittelalters“ (24. März – 23. Juni 2024) im Museum Kurhaus Kleve nicht realisiert werden können: Gundula Tschira-van Oyen, die große Jan Baegert-Forscherin, von deren Zuschreibungen, Kenntnissen und Entdeckungen alle nachkommenden Generationen an Kunsthistoriker*innen profitieren werden. Leider war sie bislang genauso wenig bekannt wie ihr Forschungsgegenstand, der niederrheinische mittelalterliche Maler Jan Baegert aus Wesel. Dank der Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve sind nun weitere Informationen über ihr Leben aufgetaucht. 

Die Gender-and-Diversity-Studentin Jessica „Violet“ Roberts, die im Zuge ihres Studiums an der Hochschule Rhein-Waal ein 6-monatiges wissenschaftliches Praktikum im Museum Kurhaus Kleve absolvierte (weitere Infos ->hier), bei dem sie u.a. auch als Junior-Kuratorin an der Konzeption der Ausstellung mitarbeitete, stellte sich die Frage, warum eine 1925 in Lobberich am Niederrhein geborene Kunsthistorikerin ausgerechnet über einen mittelalterlichen Maler aus Wesel promovierte. Den Forschungsstand trug Roberts in einem kenntnisreichen Beitrag im Katalog der Ausstellung zusammen (weitere Infos zum Katalog ->hier). 

Dabei war es ihr trotz kurzfristiger intensiver Recherche während der Ausstellungsvorbereitung leider nicht möglich an essentielle Informationen über Gundula Tschira-van Oyen zu gelangen, wie beispielsweise wann sie gestorben ist oder wie sie ausgesehen hat. Einen dementsprechenden Aufruf platzierte sie am Ende ihres Artikels, den die Kuratorin der Ausstellung, Valentina Vlašić, bei (fast) allen ihren Führungen wiederholte. 

Diesen Aufruf nahm sich ein Mitglied des Freundeskreises, Wolfgang R. Müller aus Rees, zu Herzen und recherchierte einige Wochen lang auf eigene Faust. Ihm gelang schließlich der Coup, die Kontaktaufnahme zu einem direkten Familienmitglied von Gundula Tschira-van Oyen: zu einem ihrer drei Kinder. 

Diese Tochter – deren Name und Kontaktdaten dem Museum Kurhaus Kleve bekannt sind, aber die nicht veröffentlicht werden sollen – stellte dem Museum Kurhaus Kleve die hier vorliegenden fünf Porträts aus den 1960er Jahren der Kunsthistorikerin zur Verfügung. Sie zeigen Gundula Tschira-van Oyen als wachen Geist und als Frau mit Verstand, Stilsicherheit und Humor. Es sind die ersten Porträts überhaupt, die von ihr veröffentlicht werden.

Zeitlebens erhielt sie für ihre Forschungen nie die Anerkennung, die ihr gebührte – weshalb der Ausstellungskatalog des Klever Museums von 2024 ihr gewidmet ist. Ihre Tochter bestätigte, dass sie sich nach der Geburt ihrer drei Kinder vorwiegend um ihre Familie kümmerte und ihre Forschungen zeitlebens hinten an stellte. 

Sie starb – wie von den Klever Museumsleuten vermutet – kurze Zeit nach ihrer Korrespondenz mit dem damaligen Museumsdirektor Guido de Werd im Alter von 76 Jahren. Beide schrieben sich im November und Dezember 2001, Gundula Tschira-van Oyen interessierte sich – wie sollte es anders sein – um eine Arbeit von Jan Baegert, für die sie dem Klever Museum gratulierte. Die komplette Korrespondenz ist im Beitrag von Roberts im Katalog zur Ausstellung abgedruckt. Gundula Tschira-van Oyen starb nur wenige Monate später, am 23. September 2002. Somit verbrachte sie ihr gesamtes Leben mit der Forschung zu Jan Baegert. 

Ihre Familie besuchte die Ausstellung in Kleve und war vom Engagement und der Zuschreibung des Kuratorenteams tief berührt. Sie bleibt dem Museum weiterhin verbunden. Mit den Passphotos, die sie dem Klever Museum bereitgestellt hat, erhält die Wissenschaftlerin nun auch endlich ein (äußerst sympatisches) Gesicht.