Ankauf von Zeichnungen und Gemälden des 17. Jahrhunderts
Eine mehrjährige Fördermittelakquise ermöglichte die Erwerbung eines Konvoluts an Gemälden und Zeichnungen des 17. Jahrhunderts aus der Privatsammlung Emil und Christiane Underberg. Dabei handelt es sich um eine der größten Neuerwerbungen der letzten zehn Jahre für das Museum Kurhaus Kleve. Die Finanzierung durch den Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. glückte dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kunststiftung NRW. Die wertvollen Neuzugänge, besonders die Zeichnungen von Jan van Goyen, erlauben internationale Vergleiche, so befinden sich Arbeiten von van Goyen in Museen wie dem Metropolitan Museum in New York oder dem Rijksmuseum Amsterdam.
Erworben werden konnten 7 Gemälde und 8 Zeichnungen. Die Kunstwerke verbindet die Thematik der niederrheinischen Landschaft in dem Dreieck um Nijmegen, Kleve und Emmerich. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 begann eine für die Region unerwartete Blütezeit. 1647 wurde Graf Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604–1679) von Kurfürst Friedrich Wilhelm IV. von Brandenburg (1640–1688) zum Statthalter seiner westlichen Landesteile Kleve, Mark und Ravensberg ernannt. Diese Berufung ist wegweisend für die Weiterentwicklung der ehemaligen Herzogstadt Kleve. Johann Moritz, der zu dieser Zeit 42 Jahre alt war, war durch seine achtjährige Tätigkeit als Gouverneur von Brasilien bekannt geworden. In Den Haag hatte er sich von den Architekten Jacob van Campen und Pieter Post eine Residenz, das Mauritshuis (heute die Königliche Gemäldegalerie), errichten lassen. Fünf Jahre lang, von 1647–1652, residierte auch der Kurfürst von Brandenburg mit seiner Frau, Prinzessin Henriette von Oranien, auf der Klever Burg, wo die Kurprinzen als Nachfolger geboren wurden. In Kleve entwickelte sich zu jener Zeit ein illustrer Hofstaat, der zu einem Bezugspunkt niederländischer Künstler wurde, die für den Statthalter und später für den Kurfürsten in Berlin arbeiteten.
In den 1960er Jahren begann der Unternehmer Emil Underberg mit dem Aufbau einer Sammlung niederländischer Kunst des 17. bis 19. Jahrhunderts. Beraten wurde er dabei vom Klever Museumsleiter Dr. Friedrich Gorissen. Mehr als fünfzig Jahre später, bot sich für das Museum Kurhaus Kleve die einzigartige Gelegenheit, durch den Ankauf ausgewählter Meisterwerke holländischer Künstler seine eigene Sammlung der Malerei der Goldenen Zeitalters zu verbessern. Die Neuzugänge knüpfen nahtlos an die vorhandene Sammlung an und bereichern diese fundamental. In der Klever Sammlung befinden sich bereits Werke von Jan van Goyen, Frans de Hulst, dem Rembrandt-Schüler Govert Flinck, Adriaen Hendriksz. Verboom, Michiel Jansz. van Miereveldt, Jan de Baen, Frédéric de Moucheron und mehr.
Zu den Höhepunkten der Erwerbung zählen die acht Skizzenbuchblätter Jan van Goyens. Der berühmte holländische Landschaftsmaler fertigte Skizzen seiner Reise an den Niederrhein 1650/1651 an, die zu den Highlights der Zeichenkunst des 17. Jahrhundert gehören. Ein Blatt befindet sich bereits in der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve, nun konnten sage und schreibe acht weitere Skizzenbuchblätter hinzuerworben werden, die allesamt Kleve und die Umgebung zum Thema haben. Darunter befinden sich auch das spektakulärste Blatt dieses Buches überhaupt: das Titelblatt, das den Zeichner Jan van Goyen persönlich vor der Stadtkulisse Kleves zeigt. Weitere Blätter dieses ehemals 210 Seiten beinhaltenden Buches, das Anfang des 20. Jahrhundert auseinandergenommen wurde, befinden sich heute unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, im Metropolitan Museum New York, in der National Gallery, Washington oder in der Fondation Custodia, Paris. Die acht Skizzenbuchblätter knüpfen nahtlos an zwei Gemälde an – an eines von Jan van Goyen, an eines von seinem Umkreis, die ebenfalls beide die Topographie und die großartige niederrheinische Landschaft in dem Dreieck um Nijmegen, Kleve und Emmerich zum Inhalt haben.