Maler*in (Ausführung): Paulus van Hillegaert (1596–1640)
Beschreibender Titel: Reiterschlacht vor Schenkenschanz
Datierung: 1635 (Herstellung)
Eigentümer*in: Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., Kleve
Typ: Kunstwerk
Gattung: Gemälde
Inventar Nr.: 2025-III-03
Zugangs-/Erwerbungsdatum: 01.02.2025
Das extreme Querformat entspricht der Weite der Landschaft. Das Motiv korrespondiert mit den beiden weiteren Gemälden zu diesem Thema (siehe „Verknüpfte Objekte“), setzt jedoch andere Akzente. Das Gefecht verlagert sich jetzt auf die ganze Breite des Vordergrunds.
Abermals ist ein wildes Scharmützel aus in alle Richtungen agierenden Reitern zu sehen, die sich gegenseitig mit Macheten und Gewehren bekämpfen. Das Zentrum des Gefechts bildet ein zu Boden gegangener Reiter, dessen Pferd sich zur Seite bäumt und den Kopf und den rechten Hinterlauf nach oben reckt. Die linke Seite nehmen wieder Flüchtende ein, die nun in den linken Mittelgrund der grünen Landschaft zu entkommen versuchen. Die Landschaft wird am rechten Bildrand durch einen Baum kompositorisch geschlossen.
Der Eltenberg ist die Bildmitte, die Rheinteilung bei der Festung Schenkenschanz verläuft links. Im Mittelgrund wiederholen sich an beiden Seiten des Flusses die topographischen Elemente von Emmerich, Hüthum, Griethausen, Hoch- und Niederelten, Schloss Haus Lobith und Schenkenschanz.
Paulus van Hillegaert nahm am holländischen Hof in Den Haag eine wichtige Rolle ein, wo er die Prinzen von Oranien porträtierte. Darüber hinaus war er als Maler von Landschaften mit Schlachtenszenen bekannt, die die großen militärischen Erfolge der holländischen Statthalter Prinz Maurits und Frederik-Hendrik dokumentierten und heute wie eine Chronik des niederländisch-spanischen Unabhängigkeitskrieges wirken. In diesen Gemälden nehmen meistens im Vordergrund stattfindende Scharmützel zwischen Spaniern und Holländern einen wichtigen Platz ein. Die weiträumige Landschaft bestimmt im Mittel- und Hintergrund den wesentlichen Teil des Bildes und weist topographisch identifizierbare Elemente auf.
Vier Gemälde im Œuvre von van Hillegaert haben die berühmte Belagerung der Festung Schenkenschanz 1635–1636 zum Thema. Drei befinden sich in der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve und seines Freundeskreises (das vierte befindet sich in anderem Museumsbesitz). Alle Gemälde zeigen die Szenerie unterschiedlich, wiederholen jedoch gekonnt die bereits bekannten Elemente. Alle eint der herausragende Blick auf die Teilung des Rheins in Waal und Niederrhein als Beginn des Rheindeltas.
Diese motivisch äußerst spezielle Flussteilung wurde bereits vor zweitausend Jahren durch Vergil in seinen „Aeneis“ beschrieben, der sie als „rhenus bicornis“ (der zweihörnige Rhein) bezeichnete. Damit betrachtete er den Rhein als Flussgott, aus dessen Schädel zwei Hörner ragen. Der Begriff „rhenus bicornis“ wurde von zahlreichen antiken und mittelalterlichen Autoren aufgegriffen und fand auch noch während des Barocks häufig Verwendung.
Allen Gemälden gemein ist die bewegte Bildsprache in den dargestellten Körpern von Menschen und Tieren, durch die die Schlachtszenen eine Lebendigkeit und Brisanz erhalten. Die Körper sind ineinander verkeilt, Menschen und Tiere verlaufen ineinander über, kämpfende Reiter trampeln über Verwundete und sich am Boden Bäumende. Fliehende erscheinen mit wehenden Haaren und mit in Agonie schreienden Gesichtern.
Die Farbgebung folgt der Entwicklung der holländischen Landschaftsmalerei, vor allem im stets in kalten Blaugrüntönen gehaltenen Hintergrund. Je weiter weg die dargestellte Landschaft zu sehen ist, umso blauer erscheint sie. Die Schlachtszenen im Vordergrund sind in warme Töne von gelb, braun und rot getaucht, die die Lebendigkeit des Geschehens unterstreichen.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als der spanisch-niederländische Unabhängigkeitskrieg noch tobte, waren Gemälde mit Motiven, die Ereignisse dieses Krieges zeigten, auf dem Kunstmarkt sehr begehrt. Unter diesen Malern, von denen u.a. auch Jan Aselijn und Palamedes Palamedesz. hervorzuheben sind, war van Hillegaert der bedeutendste und qualitätsvollste – wodurch er auch am holländischen Hof tätig war.
Die Stadt Kleve und die sie umgebende sanfte Landschaft mit Hügeln und Flüssen bildete ein attraktives Motiv für holländische Maler. Sie fanden sogar im Panorama des weiten Himmels eine Fortsetzung der holländischen Landschaft.
- Heinrich Dattenberg, Niederrheinansichten holländischer Künstler des 17. Jahrhunderts, Düsseldorf 1967: Die Kunstdenkmäler des Rheinlands - Beiheft 10, S. 234, Nr. 262
- Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1989, Kleve, B.o.s.s 1988, S. 10-18, Abb. Tafel II.
- More Than Ever! The Collection, Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve, 26.10.2025 - 01.03.2026
Datierung: 1635 (bezeichnet unten Mitte)
Fluß
Realismus
Schlacht
Schlacht, bewaffnete Auseinandersetzungen (generell)
Landschaften mit Gewässern (in der gemäßigten Zone), Seestücke
Krieg
Kriegsführung; Militär
auf einem Pferd, Esel oder Maultier reiten; Reiter(in)
Museum Kurhaus Kleve. Ewald-Mataré-Sammlung
Hillegaert, Pauwels van