Photograph*in (Ausführung): Elsbeth Köster (1894–1974)
Beschreibender Titel: Die deutsche Pianistin Else C. Kraus (1899–1978) mit Rauhaardackel auf dem Schoss
Datierung: 1930 (Herstellung)
Eigentümer*in: Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., Kleve
Typ: Kunstwerk
Gattung: Photographie
Inventar Nr.: 2025-VII-II (08)
Zugangs-/Erwerbungsdatum: Juli 2025
Else C. Kraus (1899–1978) war eine deutsche Pianistin, die ihre Klavierausbildung zuerst in Darmstadt und Lausanne erlernte und später bei Arthur Schnabel in Berlin studierte. Zu Arnold Schönberg in Wien hatte sie mehrfach Kontakt, dessen Freundin der Familie sie wurde. Von 1928 bis 1934 war sie Dozentin an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde ihr Antrag auf eine Professur an der Akademie abgelehnt und wurde sie aufgrund ihres Engagements für zeitgenössische Klaviermusik ihres Lehramtes enthoben. Sie erhielt Auftrittsverbot. Der Dirigent Wilhelm Furtwängler setzte sich für sie ein, so dass sie noch mehrmals in Berlin auftreten durfte.
Else C. Kraus setzte sich auch weiterhin für die Klaviermusik von Arnold Schönberg ein und nahm eine Gesamteinspielung auf, die 1952 in London bei Esquire erschien. 1960 nahm sie eine neue Einspielung in ihrem Domizil in Haus Wylerberg auf, einem vom Bauhaus-Architekten Otto Bartning erbauten Wohnhaus mit oktogonalem Konzertsaal, die schließlich bei Bärenreiter Musicaphon mit einer Einführung von Theodor W. Adorno erschienen war.
Auf Haus Wylerberg wohnte sie mit ihrer Lebensgefährtin, der Sängerin Alice Schuster (1893–1982), die Else C. Kraus 1931 (laut Peter Werth jedoch vermutlich schon früher, im Verlauf der 1920er Jahre?) bei einem Konzert in Berlin kennen- und liebengelernt hatte. Alice Schuster war die einzige Tochter von Marie Schuster-Hiby (1867–1949), einer Kunstsammlerin, die während des Zweiten Weltkrieges in Haus Wylerberg „entartete“ Künstler und Kunstwerke versteckte.
Alice Schuster war Elses große Liebe. Seit 1949 wohnten die beiden in der Avantgarde-Villa „Haus Wylerberg“ bei Nijmegen, die Alices Mutter Marie 1924 bei Bartning hat errichten lassen und die seit Kriegsende infolge einer Grenzkorrektur in den Niederlanden lag. Die beiden musikalischen Frauen organisierten in dem Haus, das sie nach dem Ende des Krieges wieder aufbauten, ein Kulturzentrum mit internationalen Programm.
Sie verkauften das Haus erst 1966 an den niederländischen Staat und übersiedelten danach nach Ascona, wo sie bis zu ihrem Tod 1978 bzw. 1982 am Lago Maggiore lebten. Begraben sind sie auf dem Klever Friedhof, im Grab der Familie Schuster-Hiby-Werth mit einem bekrönenden Engel von Karl Janssen (1855–1927). Die Moderatorin und Schauspielerin Sonya Kraus ist die Urgroßnichte von Else C. Kraus.
Dass sich Else C. Kraus eine Frau als Photographin für dieses Porträt aussuchte, spricht für ihr fortschrittliches, selbstbestimmtes Denken. Auf der Photographie von Elsbeth Köster erscheint sie (die innerhalb der Familie nur „C-chen“ genannt wurde) mit Rauhaardackel auf dem Schoss, der auch auf den anderen Photographien aus diesem Konvolut zu sehen ist.
Durch die Publikation „Die neue Frau“ der HFBK aus dem Jahr 2024 ist bekannt, dass das vorliegende Photo auf Sylt entstanden ist. Zudem befindet sich ein Aquarell in der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve bzw. seines Freundeskreises, das seit 1983 durch das Werkverzeichnis von Ulrike Köcke als „Mädchen mit überkreuzten Armen“ bezeichnet und aufgrund der Tagebucheinträge Ewald Matarés salopp auf 1923/1924 datiert wurde. Mataré hat es zwar signiert und verortet (mit „EM“ und „List auf Sylt“), aber die Dargestellte nicht tituliert. Es kann durchaus angenommen werden, dass es Else C. Kraus im Jahr 1930 in List auf Sylt zeigt, wo sie Mataré kennenlernte, dem sie zweifelsfrei bekannt war und der Jahrzehnte später ein Konzert von ihr in Krefeld besuchte und darüber in seinem Tagebuch schrieb (wo sie jedoch fälschlicher Weise als Tochter von Marie Schuster angegeben wird). Über Else C. Kraus wurde Mataré somit Jahre später in das illustre Netzwerk der Personen rund um die Villa Haus Wylerberg eingeführt …
Passepartoutmaße 324 x 325 mm
Datierung: 1930 (bezeichnet unten rechts)