Maler*in (Ausführung): Ewald Mataré (1887–1965)
Beschreibender Titel: Porträt der deutschen Pianistin Else C. Kraus (1899–1978), die Ewald Mataré vermutlich 1930 in List auf Sylt kennenlernte
Historischer Titel: Mädchen mit überkreuzten Armen
Datierung: 1923–1924 (?) (Bezugnahme), 1930 (Herstellung)
Eigentümer*in: Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., Kleve
Typ: Kunstwerk
Gattung: Graphik
Werkverzeichnis Nr. (alt): WV A 17
Inventar Nr.: 2020-X-V (24)
Werkverzeichnis Nr. (neu): WV A 1923-3
Zugangs-/Erwerbungsdatum: 07.10.2020
Wenn keine genauen Angaben des Künstlers hinterlassen sind – wie es beispielsweise hier bei dem vorliegenden Aquarell von Ewald Mataré der Fall ist – ist eine genaue Zuschreibung schwierig, um wen es sich hier handelt könnte und wann die Arbeit entstanden ist.
Ulrike Köcke, die 1983 in Zusammenarbeit mit Sonja Mataré das erste Werkverzeichnis der Aquarelle von Ewald Mataré herausgegeben hat, nannte die hier vorliegende Arbeit damals „Mädchen mit überkreuzten Armen“ und datierte sie – aufgrund stilistischer Überlegungen und anhand der Tagebuchaufzeichnungen Ewald Matarés – auf 1923 oder 1924. Mataré vermerkte auf der Federzeichnung nur sein Monogramm („EM“) und notierte die Verortung: „List auf Sylt“.
Seit 2025 befinden sich 16 Schwarzweißphotographien von Elsbeth Köster in der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve, die eine neue Zuschreibung zwar nicht zweifelsfrei belegen, aber zumindest denkbar machen. Es wäre nicht auszuschließen, dass hier Else C. Kraus dargestellt ist, eine Pianistin, die von 1899 bis 1978 lebte und die nachweislich 1930 Urlaub auf Sylt machte. Kraus war die Lebensgefährtin von Alice Schuster, der einzigen Tochter der vermögenden Industriellen und leidenschaftlichen Kunstsammlerin Marie Schuster-Hiby, die sich 1921–1924 durch den expressionistischen Architekten Otto Bartning eine Villa im Grünen bauen ließ, die zwischen Kleve/Kranenburg und Nijmegen lag und die sie „Haus Wylerberg“ nannte.
Ein Kontakt zwischen Ewald Mataré und Marie Schuster-Hiby ist belegt. Der Künstler besuchte Haus Wylerberg und sorgte sogar dafür, dass seine einzige Tochter Sonja Mataré hier während des Zweiten Weltkriegs (nachweislich 1939 und 1943) geruhsame Stunden abseits des Kriegsgeschehens verbringen konnte. Es wäre daher durchaus möglich, dass er den Kontakt zur vermögenden Kunstsammlerin über ihre Schwiegertochter Else C. Kraus aufgenommen hatte, die er 1930 (oder vielleicht sogar früher?) auf Sylt kennenlernte. Nur, weil Mataré keine entsprechenden Notizen in seinem Tagebuch hinterlassen hat, bedeutet es nicht, dass er davon unabhängig keine weiteren Reisen unternommen hat.
Die Schwarzweißphotographien von Elsbeth Köster sagen viel über die Persönlichkeit von Else C. Kraus aus, die sich auf ihnen als nachdenkliche, nicht gefällig erscheinend wollende junge Frau zeigt. Die Körperhaltung und der gesamte Ausdruck des Dargestellten auf Matarés Aquarell entspricht der Frau, die Elsbeth Köster photographiert hat.
Daher – und auch, weil im 21. Jahrhundert gestandene erwachsene Frauen auch nicht mehr als „Mädchen“ bezeichnet werden sollten – wird eine Umbenennung der Arbeit in der Sammlung des Museum Kurhaus Kleve vorgenommen – zumindest bis Belege auftauchen, die der Vermutung widersprechen.
- Werkverzeichnis der Aquarelle, „Ewald Mataré - Aquarelle 1920-1956“, hrsg. u. eingeleitet von Anna Klapheck. Mit einem Werkverzeichnis von Ulrike Köcke, München 1983, Nr. 17
- „Ewald Mataré – Werkverzeichnis der Aquarelle und aquarellierten Kunstpostkarten“, neu bearb. v. Valentina Vlašić unter Mithilfe von Sonja Mataré u. Guido de Werd auf Basis des ersten Werkverzeichnisses der Aquarelle von Ulrike Köcke 1983, Kleve 2015, S. 119, Abb. S. 119, Nr. 1923.3