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Bildhauer*in (Ausführung): Joseph Beuys (1921 - 1986)

Künstlertitel: Wurfkreuz

Datierung: 1949 - 1952 (Herstellung)

Museum: Museum Kurhaus Kleve

Typ: Kunstwerk

Gattung: Plastik / Skulptur

Inventar Nr.: 1991-VI-IVb

Beschreibung

ZWISCHEN OST UND WEST: Magisch, wie ein uraltes Zauber- und Weihezeichen aus einer längst vergessenen Zeit liegt es da – rauh formt sich die Bronze zum Kreuz. Doch hier ist es weniger das christliche Kreuz, das Joseph Beuys in der kleinen, etwa 17 Zentimeter großen Skulptur schuf. Der Klever ging schon früh über die christlichen Zusammenhänge und Glaubensinhalte hinaus, für ihn ist es auch das Zeichen für den Schnitt­punkt, den Kreuzungspunkt in einem Koordinatensystem zwischen Ost und West, zwischen Antike und Christentum. Es ist der Punkt, wo die Ratio im Westen wie auch die Magie der Schamanen im Osten zusammentreffen.
Das kleine Wurfkreuz, wie Beuys es nannte, taucht später in verschiede­nen Aktionen immer wieder auf. In „Eurasia“ und „34. Satz der Sibirischen Symphonie“ im Oktober 1966 in Kopenhagen schiebt er zu Beginn zwei dieser kleinen Wurfkreuze auf dem Boden liegend vor eine Tafel, auf die er später ebenfalls ein Kreuz zeichnet, das er danach halb auswischt. Die Kreuz­teilung, die Teilung zwischen Ost und West. Während es in der ‘Eurasia’­ Aktion in der halbrunden Ausbuchtung jeweils eine Stoppuhr trug, ist es bei einem anderen Kreuz ein Hasenschädel.
Eines dieser kleinen, etwa 17 Zentimeter großen Kreuze zeigt auch die Klever Sammlung. Es ist in Bronze gegossen und auf der einen Seite po­liert. Die andere Seite bleibt rauh, griffig. Über dem Querbalken, an dessen Ende auf der rauhen Seite Fingerkuppen angedeutet scheinen, formt sich ein Halbrund wie ein Kopf. Dass Beuys sich vom christlichen Symbol des Kreuzes löst, zeigt noch mehr die polierte Seite. Hier rotiert in dem Rund, wie geätzt oder graviert, ein Sonnenrad, dessen Strahlen auf eine organische, vielleicht tierische Figur hinabgreifen, in die sie wie in ein Becken hinein­fließen und ihre Energie abgeben.
In ihrer urtümlichen Archaik erinnern die Wurfkreuze - vor allem durch ihren eigentümlichen Namen – an die Wurfmesser aus dem Tschad und dem Kongogebiet. Das waren reich verzierte, oft kreuzförmige Droh- und Schmuckwaffen. Auch hier verquickt der Klever Künstler wieder die Form des christlichen Kreuzes und heidnische Kulthandlungen.
Das Kreuz als Hinweis auf die persönliche Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben, vor allem aber als „Erinnerungsmal, als uraltes magi­sches Zauber- und Weihezeichen“ (so die Beuys-Biographie von Adriani, Konnertz, Thomas) nimmt in der Arbeit von Joseph Beuys immer wieder eine herausragende Stellung ein. Nicht zuletzt als Zeichen für die geistige Auseinandersetzung zweier Anschauungen.

Literatur
  • Kat. d. Ausst. „Joseph Beuys – Gruß an Kleve“, bearb. v. Guido de Werd, hrsg. v. Städtischen Museum Haus Koekkoek aus Anlass der gleichnamigen Ausstellung (21. April – 9. Juni 1991), Kleve 1991, Nr. 86
  • Kat. d. Ausst. „52 Werke aus der Sammlung des 20. Jahrhunderts“, bearb. v. Guido de Werd, Roland Mönig und Ursula Geißelbrecht-Capecki, hrsg. v. Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. aus Anlass der Eröffnung des Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung am 18. April 1997, Kleve 1997, Nr. 8
  • Auswahl- / Bestandskatalog „Mein Rasierspiegel – Von Holthuys bis Beuys“, hrsg. v. Guido de Werd im Auftrag des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. aus Anlass der gleichnamigen Abschiedsausstellung des scheidenden Gründungsdirektors Guido de Werd im Museum Kurhaus Kleve (9. September 2012 – 13. Januar 2013), Kleve 2012, S. 294, Abb. S. 246, Nr. 2.36
Ausstellungen
  • Die barfüßigen Propheten und ihr ästhetisches Vermächtnis: 1872 – 1972, 06.03.2015 - 21.06.2015
  • Joseph Beuys. Frühe Jahre 1947-1955, Domschatzkammer, Köln, Köln, 24.03.2022 - 24.07.2022
Material/Technik:
Bronze
Maße:
Objektmaß 17,3 x 12,8 x 1 cm
Geographischer Bezug:
Meerbusch-Büderich (Herkunftsort)
Kleve (Standort)
Status:
Ausstellung
Creditline:
Museum Kurhaus Kleve – Dauerleihgabe des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., Schenkung von Sonja Mataré, die es als Geschenk von Joseph Beuys erhalten hat
Copyright:
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Kontakt:
Bei Fragen, Anregungen oder Informationen zu diesem Objekt schreiben Sie bitte eine E-Mail mit diesem Weblink an sammlung [​at​] mkk.art.