Wissenschaftliche Forschungsvolontärin des Landes Nordrhein-Westfalen für die Sammlung: Julia Moebus-Puck

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen lotete 2019 das Programm „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ aus, mit dem es die kunsthistorische Arbeit an Museen in NRW gezielt mit den Kernaufgaben von Sammeln und Forschen unterstützen möchte. Mit dem Programm sollen die Aufarbeitung von Ausstellungs- und Sammlungsgeschichten unterstützt und eine junge Generation von Nachwuchswissenschaftler*innen in die Museen eingebunden werden.

Das Museum Kurhaus Kleve bewarb sich an der Ausschreibung mit dem umfangreichen Archiv zur künstlerischen Arbeit des Land Art-Künstlers Richard Long, das es im April 2019 geerbt hat und das im Zuge des Volontariats aufgearbeitet und durch eine Ausstellung, eine Publikation und die neue Sammlungswebsite zugänglich gemacht werden soll. Die Ausschreibung gelang auf Anhieb, wodurch eine neue Personalstelle für zwei Jahre geschaffen werden konnte, die zu 90 Prozent vom Land und zu 10 Prozent von der Stadt Kleve finanziert wird.

Das Archiv umfasst die Jahre 1970 bis 2018 und wurde von dem niederländischen Richard Long-Spezialisten Gerard Vermeulen (1946–2019) in intensiver Zusammenarbeit mit dem Künstler aufgebaut. Durch seine persönliche Freundschaft zu Richard Long und durch seine Leidenschaft für dessen künstlerisches Werk, das er über zweieinhalb Jahrzehnte persönlich begleitet hat, gelang es Vermeulen ein einzigartiges Archiv über das Œuvre von Richard Long aufzubauen.

Richard Long (*1945 in Bristol/England) gehört heute zu einem der wichtigsten internationalen Künstler von Weltrang, der zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten hat, unter denen der „Turner Preis“ 1989 und der „Praemium Imperiale“ 2009 herausragen. Richard Long ist in besonderer Art und Weise mit NRW verbunden. Seine erste Galerieausstellung hatte er 1968 mit dreiundzwanzig Jahren in Düsseldorf, in der damals gerade eröffneten und heute legendären Galerie von Konrad Fischer (1939–1996), wo er „Sculpture for Konrad Fischer“ aus tausenden aneinander gereihten Weidenstöckchen schuf, eine ikonische Arbeit, die sich heute als Teil der „Sammlung Dorothee und Konrad Fischer“ im Besitz der Kunstsammlung NRW, Düsseldorf befindet. Wenig später hatte Richard Long im Museum Haus Lange in Krefeld seine erste museale Einzelausstellung, bei der er im Garten durch beständiges Auf- und Ablaufen eine Linie im Rasen schuf, die den Titel „Walking the Line“ erhielt. Dieses „Sich-bewegen“ in Raum und Zeit soll für Jahrzehnte sein künstlerisches Schaffen prägen und ihn zu einem führenden internationalen Künstler machen, dessen Werk weltweit geschätzt, gezeigt und gesammelt wird.

Seit seiner Eröffnung 1997 hat das Museum Kurhaus Kleve eine besondere Beziehung zu dem Künstler entwickelt: 1999/2000 wurde „Being in the Moment – A Portfolio of Four Prints“ im Museum Kurhaus Kleve präsentiert, woraufhin 2001 eine große Einzelausstellung folgte, die das gesamte Erdgeschoss in Anspruch nahm. 2010 war Richard Long wesentlicher Bestandteil der Ausstellung „Von Carl Andre bis Gregor Schneider. Dorothee und Konrad Fischer: Archiv einer Haltung“. Als letzte Präsentation folgte schließlich 2013 eine Ausstellung mit dem Titel „Richard Long – Prints 1970-2013“.

Aufbauend auf dieser intensiven Zusammenarbeit hat Gerard Vermeulen testamentarisch verfügt, dass sein Archiv nach seinem Tod in das Museum Kurhaus Kleve kommt. Es enthält zahlreiche Korrespondenzen mit dem Künstler, Literatur und Dokumente zu seinem Werk und zu all seinen unzähligen Ausstellungen auf der ganzen Welt, Dokumentationen all seiner Wanderungen, die das Wesen seines Werkes auszeichnen uvm. Dies ist umso wichtiger, weil die Arbeiten, die Richard Long oft an entlegensten Stellen geschaffen hat und die er dort den Kräften der Natur ausgesetzt zurückgelassen hat, heute nicht mehr existieren.

In Julia Moebus-Puck (*1985) hat das Museum eine ideale Kandidatin für diese Arbeit gefunden, die über ihre eigene künstlerische Tätigkeit als Photographin zur Kunstgeschichte gekommen ist. Ihre Masterarbeit hat sie über Hermann Nitsch geschrieben, wofür sie 2017 nach Österreich gezogen ist. Dort kuratierte sie u.a. auch Ausstellungen für ihn und partizipierte als Akteurin an seinen Aktionen. Für ihre Promotion an der Universität Bonn kehrte sie 2019 wieder ins Rheinland zurück. Julia Moebus-Puck ist exzellent vernetzt. Sie arbeitete als Kunstvermittlerin an der Albertina in Wien, am Max-Ernst-Museum in Brühl oder am Arp Museum Rolandseck. Sie kuratierte zahlreiche Ausstellungen, gründete eine Kreativagentur, die eng mit weiteren Galerien zusammenarbeitet, und stellt Interviews mit Künstler*innen, die sie regelmäßig führt, auf ihre Research Plattform „studiosuperpopp“. Sie wird die Arbeit im Museum Kurhaus Kleve in den Jahren 2020-2022 essentiell bereichern.

Julia Moebus-Puck