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Photograph*in (Ausführung): Willy Maywald (1907 - 1985)

Beschreibender Titel: Porträt von Pablo Picasso (1881 - 1973) am Strand von Golfe-Juan an der französischen Côte d’Azur

Datierung: 1947 (Aufnahme)

Museum: Museum Kurhaus Kleve

Typ: Kunstwerk

Gattung: Photographie

Inventar Nr.: 2007-07-24

Beschreibung

Pablo unterm Sonnenschirm, rauchend, lässig am Daumen nagend, in graugekörntes Dämmerlicht getaucht – scharf ist an ihm nur sein Blick. Das Picasso-Porträt von Willy Maywald entstand im Jahr 1947 unter technischen Schwierigkeiten am Strand Golfe-Juan. „Diese Aufnahmen“, resümiert Maywald in seiner Biographie „Die Splitter des Spiegels“, „gehören bis heute zu meinen größten Erfolgen“. Warum? Ist das Photo doch „verhältnismäßig grau“ (Maywald) und sticht stilistisch aus dem Maywaldschen Werk hervor: Der 1907 geborene und 1985 gestor­bene Künstler, der mit Modephotographien und Künstlerporträts berühmt wurde, gestaltet die meisten seiner Arbeiten als messerscharf zerteilte Licht­ und Schattenkompositionen. Worin liegt der Reiz dieser Photos, und das heißt bei einem Künstler-Porträt sicher immer auch: das Picasso-Spezifische! Oft verschränkt Maywald Kunst und Künstler geradezu aufwendig zu Gesamt-Ansichten – nicht so bei diesem betont schlichten Picasso-Bild. Die Faszination, die – bei aller Schlichtheit der Pose und bei aller Kargheit der Umgebung – vor dem Bild ausgeht, mag eine andere Bemerkung May­walds erhellen: „Wir trafen Picasso in seinem Haus in Golfe-Juan“, schreibt er. „Als ich ihn das erste Mal photographiert hatte, war ich zu sehr mit meinem geliehenen Photoapparat beschäftigt gewesen, aber jetzt sah ich seine faszinierende Persönlichkeit und vor allem seinen Blick“. Picassos Blick – das zentrale Stichwort.
Dieser Blick ist auch bei dem Photo vor 1947 die Mitte der Komposition. Das Weiße der Augen und die frontale Blickrichtung auf den Betrachter schaf­fen Spannung und Präzision in der Linienführung, die das Halbdunkel unterm Sonnenschirm stört – vor allem das Weiße in den Augen durchbricht die Grau­skala. In helles Licht getaucht ist auch noch die Hand Picassos – der Geste nach banal die Zigarette haltend, dem Licht nach helle Entsprechung der Augen. Kompositorisch ist damit scharf umrissen, was die künstlerische Arbeit Pi­cassos ermöglicht und den Photographen fesselte: sein Blick und seine Hand.
Maywald hat mit diesem Photo wie in kaum einem anderen verhalten das ihn Faszinierende am Objekt vor der Linse eingefangen – eine Zurückhal­tung im Arrangement, die stilistisch begründet und kein Zufall war. Wie genau Maywald Künstlerpersönlichkeit und Werk in seinen Porträts auf­einander bezog, zeigt eine Aufnahme von Hermann Teuber: Der Maler steht neben einer Staffelei in völliger Ruhe und frontal dem Betrachter zugewandt. Diese Stellung spiegelt präzise die Stellung der Figur auf dem Gemälde wider, das neben Teuber auf der Staffelei steht. Maywald hat damit ein von Teuber bevorzugtes Figurenarrangement ins Medium der Photographie übersetzt. So wird die Kunst auf dem Photo gleichsam zurück projiziert auf den Künstler – und das Porträt wird zur Kunst.

Literatur
  • Wilhelm Maywald - Portrait + Atelier; Photos, Zürich 1958
  • Willy Maywald - Die Splitter des Spiegels; Eine illustrierte Autobiographie, München 1985, S. 215, Abb. S. 214
  • 52 Werke aus der Sammlung des 20. Jh. - Museum Kurhaus Kleve, Kleve 1997, Nr. 12
  • Kat. d. Ausst. „Willy Maywald: Glanz und Eleganz“, Museum B.C. Koekkoek-Haus Kleve (12. August 2007 – 27. Januar 2008), bearb. v. Valentina Vlašić und Guido de Werd, hrsg. v. Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., Kleve 2007, S. 164, Abb. Nr. 47, Nr. 140
Material/Technik:
Gelatin Silver Print auf Agfa-Brovira-Papier, Vintage Print
Maße:
Bildmaß 403 x 306 mm
Signatur/Beschriftung:
Signatur: W. Maywald (bez u.r.)
Geographischer Bezug:
Golfe-Juan (Dargestellter Ort)
Kleve (Standort)
Status:
Depot
Creditline:
Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve, Deutschland
Copyright:
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Kontakt:
Bei Fragen, Anregungen oder Informationen zu diesem Objekt schreiben Sie bitte eine E-Mail mit diesem Weblink an sammlung [​at​] mkk.art.